Aktuelle Meldungen Hessentag 2018 in Korbach

Der Tourmanager der Big Band der Bundeswehr, Johannes Langendorf, posiert in Pilotenjacke vor dem Korbacher Rathaus. Die Big Band gastiert am Freitag, 1. Juni, gemeinsam mit Sänger Klaus Lage beim Hessentag. Foto: Sascha Pfannstiel/Stadt Korbach

"Etwas Großartiges für Korbach"

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Die Big Band der Bundeswehr spielt beim Hessentag - ihr Tourmanager ist Korbacher

Mit einem Benefizkonzert zusammen mit Sänger Klaus Lage gastiert die Big Band der Bundeswehr beim Hessentag in Korbach. Ihr Tourmanager Johannes Langendorf stammt aus Lelbach. Mit dem 46-jährigen Hauptmann haben wir über seinen außergewöhnlichen Beruf, die Aufgaben der Band und den bevorstehenden Auftritt beim Landesfest gesprochen.

Warum leistet sich die Bundeswehr etwas so Außergewöhnliches wie eine Big Band? In professioneller Hinsicht gibt es ja gar nicht so viele davon in Deutschland...
Langendorf: Genau, wir sind eine von insgesamt fünf professionellen Big Bands, die es überhaupt noch in Deutschland gibt. Dass die Bundeswehr eine solche Band unterhält, ist zunächst mal eine ganz politische Entscheidung - wir wollen Musik haben. Die Bundeswehr hat insgesamt 14 Klangkörper, dazu gehört die Big Band. Im Wesentlichen ist es natürlich der Imagegewinn für die Bundeswehr. Sie verschwindet immer mehr aus der Fläche, möchte aber präsent sein und den Kontakt zur Bevölkerung halten. Mit ihren Konzerten generiert die Big Band auch noch Spenden für Menschen, denen es nicht so gut geht. Neben der Imagefrage braucht es in der Bundeswehr aber schlichtweg Musik. Es wechseln Kommandos, es gibt Feierlichkeiten, traurige und fröhliche Anlässe, die wir begleiten. Besondere Feiertage im Jahr wie der Tag der Deutschen Einheit werden von uns mit Musik unterstützt und untermalt. Das ist es der Bundeswehr einfach wert.

Die Big Band spielt aber nicht nur in Deutschland...
Langendorf: Wir spielen weltweit, ich war allein im vergangenen Jahr in sechs Ländern. Wir waren in Malaysia, in Italien, in Österreich, der Schweiz, in Korea und in Brasilien. Auch aktuell bei den olympischen Winterspielen in Korea sind wir vertreten. In Deutschland machen wir jeweils eine große Hallen- und eine Open-Air-Tour. Dieses Frühjahr sind wir dann auch beim Hessentag in Korbach zu Gast.

Was sind das für Musiker? Sind das Soldaten, die abends nach dem Stubefegen zur Trompete greifen?

Langendorf (lacht): Es gibt tatsächlich manchmal die Frage: Was macht Ihr, wenn Ihr morgens geschossen habt, wann fangt Ihr an zu spielen? Wir sind Militär-Musiker - vom Status her sind die Mitglieder Soldaten, vollwertige Soldaten, die alle militärischen Anforderungen erfüllen müssen. Unsere Haupttätigkeit ist eben aber das Musizieren. Der eine Soldat ist Sanitäter, der andere fährt Lkw, der nächste ist Funker, und bei uns ist die Tätigkeit eben, Musiker zu sein. Wir kommen morgens zusammen, proben, planen Auftritte oder fahren zu einem Konzert oder anderen Anlass.

Wie sind Sie selbst zur Big Band gekommen?
Langendorf: Ich habe über die Bundeswehr nach meiner Schulausbildung Trompete studiert und war danach sieben Jahre lang in einem Orchester der Bundeswehr. Dann habe ich ein paar Jahre lang Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Militärmusikdienst der Bundeswehr gemacht, habe diesen auch geleitet, und bin später zur Big Band der Bundeswehr gekommen. Dort bin ich inzwischen Tourmanager und damit verantwortlich für die Konzerte deutschlandweit und weltweit. Aktiver Mitspieler bin ich aber nicht, zumindest nicht in den großen Ensembles. Als wir letztes Jahr in Kleinstbesetzung in Südkorea die Nationalhymne spielen mussten, habe ich mit der Trompete ausgeholfen. Grundsätzlich gehöre ich aber nicht zum Orchester. Das sind nämlich alles Jazzmusiker und ich bin klassisch ausgebildeter Trompeter - das ist dann doch ein großer Unterschied.

Gibt es denn eigene aktive Big-Band-Erfahrungen aus Ihrer Vergangenheit?
Langendorf: Meine eigenen Big-Band-Erfahrungen habe ich hier in Korbach gemacht, das ist das Schöne, ich habe hier tatsächlich den Klangkörper Big Band kennengelernt in der Big Band der Alten Landesschule, damals unter der Leitung von Rainer Horn. Da habe ich das Big-Band-Spielen auch wirklich lieben gelernt, wir waren Sieger im Wettbewerb "Hessen Jazz". Ich mochte diesen Klangkörper immer, weil er einfach so einzigartig und so klassisch und so modern sein kann. Wenn man sich Michael Bublé anschaut oder Robbie Williams - alle großen Künstler machen Swing-Alben mit ihren eigenen großen Songs. Die Swing-Musik ist nicht ausgestorben, sie ist nach wie vor aktuell.

Was erwartet den Besucher in Korbach beim Hessentag?

Langendorf: Ich sage immer gern etwas provokant, was den Besucher nicht erwartet: Wir werden keinen Marsch spielen. Wir werden in Korbach Swing, Rock, Pop, aktuelle Titel, Klassiker, klassischen Big-Band-Jazz spielen. Und das i-Tüpfelchen an diesem Abend: Wir werden gemeinsam auftreten mit Klaus Lage. Das wird es so nur in Korbach geben.

Wie läuft das ab mit Klaus Lage?
Langendorf: Wir haben uns neulich zum Kaffee getroffen und über das Konzert in Korbach gesprochen. Er hat seine großen Songs umschreiben und umarrangieren lassen in Big-Band-Sound. Im vergangenen Jahr haben wir so etwas auch schon mal mit Pe Werner gemacht, mit Joris und auch mit Adel Tawil haben wir so etwas schon gemacht. Diesmal ist es Klaus Lage, und er hat einfach die tollen Songs wie "Faust auf Faust", "1000 mal berührt" oder "Monopoly". Im Big-Band-Sound ist das ein völlig anderes Hör-Erlebnis - man erkennt die Songs sofort, aber denkt "Wow, was für ein großes dickes fettes Brett an Sound ist dahinter!" Das wird ein toller Abend. Man wird etwa eine Stunde lang Klaus Lage hören, dann werden wir uns noch selber etwas präsentieren, auch mit unserer eigenen Sängerin. Es wird ein sehr gemixtes, ein wunderschönes und sehr außergewöhnliches Konzert sein.

Und was erwarten Sie vom Korbacher Publikum?
Langendorf: Ich bin sicher, dass wir ein tolles und dankbares Publikum haben werden hier in Korbach - die Big Band ist seit Jahren bei den Hessentagen dabei und Klaus Lage wird ein gern gesehener Gast beim Korbacher Publikum sein. Die Besucher werden sehr schnell erkennen, dass es ein großartiges Konzert sein wird. Aus meiner eigenen Zeit in der Big Band an der ALS weiß ich noch, dass dieser Sound beim Publikum gut ankommt.

Sagen Sie uns etwas zu Ihrem Equipment...
Langendorf: Wir sind völlig autark unterwegs und reisen mit bis zu 200 Tonnen Equipment zu unseren Auftritten. Wir sind grundsätzlich mit einem Tross von 50 Mann unterwegs, davon sind aber nur 26 Musiker, der Rest ist Technik, Support, Bühnenbau und Management. Das zu organisieren, ist schon ein großer Aufwand. Wir haben vier Sattelzüge und eine mobile Bühne, die zu den fünf größten ihrer Art in ganz Europa gehört. Das ist ein 40-Tonner, der sich dann auf den Marktplätzen in Deutschland entfaltet wie ein Transformer. Plötzlich steht da eine Bühne, die ist 18 Meter breit, zehn Meter hoch und zwölf Meter tief. Hier in Korbach beim Hessentag ist aber eine gewisse Infrastruktur mit Licht und Bühnentechnik bereits vorhanden, so dass wir weniger eigenes Material mitzubringen brauchen.

Was ist das für ein Gefühl als Korbacher, mit dieser Truppe in die alte Heimat zu kommen?

Langendorf: Das war ein Supergefühl, als ich vergangenes Jahr beim Hessentag in Rüsselsheim erfahren habe, dass der nächste Hessentag in Korbach stattfindet. Ich bin jetzt seit mehr als zwei Jahren Tourmanager der Big Band der Bundeswehr und dachte mir, cool, gleich der zweite Hessentag ist Korbach. Da stand für mich sofort fest, dass ich etwas Besonderes machen wollte. Und so entstand die Idee mit Klaus Lage. Schon sehr früh habe ich mit den Verantwortlichen bei der Stadt Kontakt aufgenommen und gesagt: Lasst uns etwas Außergewöhnliches machen, etwas, was es bei den anderen Hessentagen zuvor nicht gab. Das stieß sofort auf offene Ohren. Ich bin sehr glücklich darüber, wie das hier alles läuft. Es ist mir sehr wichtig, weil mir Korbach besonders am Herzen liegt.

Was macht der Tourmanager? Wie muss man sich Ihre Aufgaben vorstellen?

Langendorf: Ich habe keinen Tag wie den anderen. Als Tourmanager bin ich wahnsinnig viel unterwegs, in den ersten drei Monaten des Jahres bin ich auf Besichtigungstour in ganz Deutschland, um die Orte der Open-Air-Tour kennenzulernen. Das geht von der Strandpromenade in St. Peter-Ording bis ins tiefste Bayern, das geht von Xanten am Niederrhein bis ins Erzgebirge. Da bereite ich die Tour vor, ich muss mit den Veranstaltern sprechen, unter anderem über Sicherheitsfragen - das ist bei Open-Air-Konzerten ein ganz neues und großes Thema für uns. Ich bin der erste Ansprechpartner für die Veranstalter, aber auch was die Hotels und das Essen für die Band anbelangt, habe die gesamte Organisation vor Ort. Das ist ein wesentlicher Teil meiner Aufgabe. Aber natürlich muss ich auch die Band nach außen präsentieren, bei den Open Airs mache ich die Moderation. Nicht zuletzt gehört es zu meinen Aufgaben, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, Pressekonferenzen zu geben oder mit Künstlern zu sprechen.

Welchen Bezug haben Sie noch nach Korbach?
Ich habe Korbach nie aus den Augen verloren, bin in der Vergangenheit sehr häufig hier gewesen und gehöre zum Beispiel auch den Weihnachtsfreunden an. Wenn möglich gehe ich zum Christkindwiegen auf dem Kilian. Aktuell habe ich den Kontakt nach Korbach deutlich intensiviert, weil ich mir ein kleines Feriendomizil am Rehbach errichte. In der Zukunft werde ich also noch deutlich häufiger in der Heimat sein - die Osterferien werden die ersten beiden Wochen sein, die ich komplett am Edersee verweilen werde. Ich freue mich schon sehr darauf, dort zu wandern, spazieren zu gehen und andere Freizeitaktivitäten zu erleben - und ich freue mich ganz besonders auf den Hessentag. Auch da werde ich mich in meinem Ferienhaus aufhalten.

Weitere Informationen zum Konzert in Korbach:
Beim Auftritt der Big Band der Bundeswehr in Korbach sind Show, Unterhaltung und musikalischer Hochgenuss garantiert. Das Konzert mit Sänger Klaus Lage steht am Freitag, 1. Juni, im Festzelt am Südring/Medebacher Landstraße auf dem Hessentags-Programm. Beginn ist um 20 Uhr. Der Kartenvorverkauf für die sehens- und hörenswerte Veranstaltung hat bereits begonnen. Tickets für das Benefizkonzert sind ab 24 Euro erhältlich, unter anderem im Bürgerbüro der Stadt Korbach, bei der Waldeckischen Landeszeitung oder online bei eventim (hier klicken). Der Erlös geht an die Lebenshilfe Waldeck e.V. Weitere Informationen über das Ensemble gibt es auf der Internetseite bigband-bw.de.