Aktuelle Meldungen Hessentag 2018 in Korbach

BAP-Sänger Niedecken: "Freue mich auf Korbach"

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Kölner Songpoet tritt beim Hessentag auf: Wolfgang Niedecken (BAP) im Interview

Von Thomas Kobbe, WLZ

Nach 70 Konzerten der Jubiläumstour 2016 gab es 2017 ein spielfreies Jahr für Wolfgang Niedeckens BAP. Ein Zeitfenster, das der Kölner Songpoet dafür genutzt hat, in New Orleans mit amerikanischen Musikern, nach „Zosamme alt“ ein „Familienalbum“ aufzunehmen: „Reinrassije Strooßekööter“. Am 3. Juni gastiert er mit seiner Band im Festzelt des Korbacher Hessentags. Wir sprachen mit Wolfgang Niedecken über die Bedeutung von Familie, die besondere Atmosphäre bei Hessentagen und Donald Trump.

Am 3. Juni treten Sie beim Hessentag in Korbach auf. Mit BAP waren sie ja schon öfters bei diesem Landesfest dabei. Haben sie alle Städte in Hessen schon durch?

Wolfgang Niedecken: (lacht) Alle nicht, aber einige. Wir haben ja so eine Art Abonnement bei dieser Veranstaltung. Die Atmosphäre war auch immer etwas Besonderes. Ich freue mich auf Korbach und den Hessentag. Es ist schön, dass sich dabei eine ganze Region so präsentieren kann und dass es dabei nicht immer um die Metropolen geht.

„Reinrassije Strooßekööter“ (Reinrassige Straßenköter): heißt das neue Album: Ein schöner Widerspruch als Titel. Schön und widersprüchlich: Beschreibt dies auch Ihre Beziehung zur Familie?

Wolfgang Niedecken: Zunächst: Solche Begriffspaare nennt man Oxymoron – das hat mir meine Tochter beigebracht. Widersprüchlich und schön? Ich bin in einer Familie, einem Familienbetrieb aufgewachsen, wo ich sehr behütet war und von allen geliebt wurde. Dieses Gefühl ist für ein Kind schon mal großartig. Widersprüche im wahrsten Sinne gab es, als ich dann anfing, mir meine eigenen Gedanken zu machen, auch mal meinem Vater widersprochen hab. Aber: Man muss es auch als junger Mensch schaffen, seine Familie loszulassen. Es gilt nicht immer nur andersherum für die Eltern. Ich kenne das jetzt aus beiden Perspektiven. Das schöne an diesem „Familienalbum“ ist, dass ich Lieder darauf versammle, die ich wie zum Beispiel „Weisste noch?“ vor 35 Jahren geschrieben habe.

Wikipedia definiert Straßenköter so: „Als Straßenköter werden herrenlose Hunde bezeichnet, die in Städten leben. Sie sind sehr unterschiedlich und meist an ihren jeweiligen Lebensraum angepasst.“ Finden Sie sich da wieder?

Wolfgang Niedecken:
Ja, teilweise schon. Opportunismus muss ja nicht immer nur negativ besetzt sein, wenn man die Gelegenheiten wahrnimmt und sich einpasst, ohne sich aufzugeben. Ab einem bestimmten Alter muss man jedoch selbst nachdenken und schauen, wo es für einen langgehen soll. Das hat mir vor allem meine Mutter ermöglicht. Wahrscheinlich, weil sie in ihren Leben ein paar mal erlebt hat, wie sich Menschen nicht verwirklichen konnten. Sie selbst hätte gerne Modedesign studiert. Doch daran war aufgrund des Kriegs überhaupt nicht dran zu denken.

Ein Zitat von Ihnen lautet: „Ohne Familie hätte ich das nicht geschafft“: Das ist ja durchaus doppeldeutig zu sehen: Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich 40 Jahre Musikerleben nicht geschafft: Oder aber: ohne meine Familie wäre ich nicht Musiker und Künstler geworden.


Wolfgang Niedecken: Ohne den Rückhalt, den ich von Anfang an in meiner und dann auch später in der von mir gegründeten Familie erlebt habe, wäre ich ziemlich auf den Hund gekommen.

...damit wären wir wieder beim Straßenköter...


Wolfgang Niedecken:
Genau.

Zurück zum musikalischen „Familienalbum“, das auch Bezug nimmt zu früheren Songs, die BAP-Klassiker sind, etwa „Bahnhofskino“ oder „Chippendale Desch“. Im Grunde so eine Art musikalische Meta-Ebene, die Sie eingezogen haben. Wie sind Sie vorgegangen?


Wolfgang Niedecken:
Der erste schwierige Prozess bestand in der Auswahl der Stücke. Ich hätte ja doppelt so viele nehmen können. Ich wollte in 14 Songs eine Geschichte erzählen. Im Grunde kann man dieses Album wie ein Hörbuch interpretieren, für Easy Listening ist es eigentlich zu schade. BAP war ja auch immer eine Album-Band.

Haben Sie einen Lieblingssong auf „Reinrassije Strooßekööter“?

Wolfgang Niedecken: Es gibt Songs, wo ich mich wirklich freue, dass wir sie noch einmal aufgenommen haben: Den ältesten „Weisste noch?“ habe ich damals während einer Tour geschrieben, dann haben wir ihn beim Soundcheck eingeprobt und direkt beim nächsten Konzert gespielt. Ich erinnere mich genau an diesen Abend in Paderborn, es war der Tag, an dem Helmut Kohl das erste Mal zum Kanzler gewählt worden war.

Mein Lieblingssong ist „Bahnhofskino“ im neuen Gewand. Allerdings klingt er, wie ich finde, sehr viel weicher, am Ende altersmilder?

Wolfgang Niedecken: Altersmilder – Das glaube ich eher nicht. Der Text ist der gleiche geblieben, beschreibt nach wie vor einen Albtraum. Wir werden vor dem Tourstart entscheiden, ob wir das Stück in der alten oder neuen Version spielen. Die Setlist steht zu 99 Prozent fest. Aus so vielen Songs auszuwählen ist ein Luxusproblem. Und man darf auch nicht vergessen, gerade mit Blick auf unseren Auftritt in Korbach, dass die Leute auch feiern wollen.

Sie haben nie hinterm Berg gehalten, was Sie von Politikern und der aktuellen Politik halten. Jetzt waren Sie für die Aufnahmen in einem Studio in New Orleans, etwa sechs Monate nach Trumps Amtsantritt. Wie haben Sie die USA erlebt?

Wolfgang Niedecken: So ziemlich alle Taxifahrer, die uns gefahren haben, haben sich bei uns für das Wahlergebnis entschuldigt. Wenn man ins Gespräch kommt und erzählt, dass man aus Deutschland kommt und in New Orleans eine Platte aufnimmt, wird man schon fast zu ihnen nach Hause eingeladen. Die Leute in New Orleans sind unglaublich offen und viele von ihnen selbst Musiker. Sie haben uns gefragt, wie wir das denn in Europa finden würden, mit ihren „Idioten“ an der Spitze.
Das Wahlsystem aus der Postkutschenzeit hat natürlich den Republikanern geholfen. Die Demokraten haben allerdings auch Fehler gemacht. Hätten sie Bernie Sanders nominiert, wären sicher mehr junge Menschen zur Wahl gegangen. Aber es ist bitter: Die ganze Welt ist abhängig von den Launen eines zynischen Menschenfeindes. Ich gebe zu, ich hatte deswegen schlaflose Nächte.

Tickets: Karten für Niedeckens BAP am 3. Juni 2018, um 19 Uhr im Festzelt gibt es ab 47 Euro im Hessentagsbüro der Stadt Korbach, unter www.hessentag2018.de ,bei der Waldeckischen Landeszeitung, an den bekannten Vorverkaufs-Stellen, online über die Hessentags-Homepage (zzgl. zwei Euro Buchungsgebühr für Eventim) oder über die Tickethotline 01806 / 997702 (0,20 Euro/Anruf inkl. MwSt. aus den Festnetzen, max. 0,60 Euro/Anruf inkl. MwSt. aus den Mobilfunknetzen).

Allgemeine Geschäftsbedingungen für die kostenpflichtigen Veranstaltungen des Hessentages 2018 in Korbach